Verbrauchertelegramm

Wenn Brüssel über die Wurst streitet

Das Europäische Parlament hat beschlossen, dass künftig nur noch Produkte aus echtem Fleisch Bezeichnungen wie „Wurst“, „Schnitzel“ oder „Burger“ tragen dürfen. Begründung: Man wolle Konsument:innen vor Täuschung schützen. Doch liegt hier eine Täuschung vor?
Während dringende Fragen – etwa das Problem des Plastikmülls, die Einführung klarer und ehrlicher Gütesiegel, die Stärkung regionaler Wertschöpfung oder die realen Missstände in der Tierhaltung – liegen bleiben, beschäftigt man sich in Straßburg mit Wortspielen. Die EU debattiert über die Wurst, während diese echten Probleme weiter garen. Niemand glaubt ernsthaft, dass ein „Veggie-Burger“ aus Rindfleisch besteht, denn normalerweise weisen eindeutige Bezeichnungen wie „Veggie“, „pflanzlich“ oder „plant-based“ auf die pflanzliche Herkunft der Zutaten hin.
Entscheidend ist, ob es der EU gelingt, eine vertrauenswürdige Grundlage für die Verbraucher:innen zu schaffen – durch klare Herkunftskennzeichnung, nachvollziehbare Standards und den Mut, sich den echten Herausforderungen zu stellen.
Für die Umsetzung dieser Bestimmung ist noch die Zustimmung der 27 EU-Staaten erforderlich. Wer die Zukunft gestaltet, sollte nicht darüber streiten, wie man eine Wurst nennt, sondern ob wir sie als Verbraucher:innen guten Gewissens genießen können.

Verbrauchertelegramm
Obst und Gemüse

Schlechte Nachbarn vertragen sich nicht gut

Früchte, die nach der Ernte nachreifen, bilden und verströmen das Reifegas Ethylen. In den Früchten beschleunigt dieses Gas als Hormon den Reifeprozess, sprich den Abbau von Stärke zu Zuckern. Doch nicht nur die nachreifenden Früchte selbst, sondern auch andere Früchte und Gemüse in der Umgebung, die empfindlich auf Ethylen reagieren, werden davon beeinflusst und verderben schneller.
Wenn man daher ethylenverströmende räumlich getrennt von ethylenempfindlichen Früchten und Gemüsen aufbewahrt, bleiben letztere länger frisch. Früchte mit hoher Ethylenbildung – Apfel, Aprikose, Avocado, Birne, Feige, Kiwi, Pfirsich, Nektarine, Pflaume, Zwetschge, Mirabelle, Reneklode und Zwiebel – und Früchte sowie Gemüse mit hoher Empfindlichkeit gegenüber Ethylen – Artischocke, Aubergine, Avocado, Banane, Bohnen (frisch), Erbsen, Gurke, Kartoffel, Kiwi, Kohlgemüse, Kopfsalat, Lauch, Mango, Tomate, Zucchini sowie Zitrusfrüchte – sind also schlechte Nachbarn. Zudem nehmen bestimmte Lebensmittel Fremdaromen von ihren Nachbarn auf. Geruchsintensiv sind vor allem Zwiebel, Lauch und Knoblauch. Lebensmittel, die deren Geruch „gerne“ annehmen, sind: Apfel, Birne, Butter, Eier, Gurke, Milch (in offenen Gefäßen) und Schokolade (in angebrochenen Packungen). Die Reifewirkung von Ethylen kann man sich andererseits zunutze machen, wenn man unreif geerntete (nachreifende) Früchte früher genießen möchte. Dafür wickelt man harte Avocados, Kiwis oder Kakis zusammen mit Äpfeln in eine Papiertüte und bewahrt diese bei Zimmertemperatur auf.