Thema
Danach wird alles ganz anders
Selbsthilfegruppe „Der Baum“: Gemeinsam Erfahrungen nutzen und zu einer neuen Sprache und einem neuen Ansatz im Leben finden.

„Männer sind oft sprachlos!“ Dr. Hartmann Aichner, bis 2012 Primar der Gynäkologie und Geburtshilfe in Innichen, weiß nur zu genau, wovon er spricht. Er leitet seit sieben Jahren zusammen mit dem Psycho-Onkologen Anton Huber die erste Selbsthilfegruppe für Männer in Südtirol, „Der Baum“. Für Männer mit Prostatakrebs. Und: Er ist selbst Betroffener.
Die Gruppe besteht aus 15 Männern, jedes Jahr können ein bis zwei neue Mitglieder nachrücken. Sie treffen sich jeden ersten Dienstag im Monat von 17 bis 19 Uhr in einem Raum im Krankenhaus Bruneck. Die Gruppensprache ist Deutsch. In Südtirol werden jedes Jahr ca. 380 Neu-Erkrankungen verzeichnet. Prostata-Krebs ist die häufigste Krebsart bei Männern; bei einer frühen Diagnose liegt die Überlebensrate nach fünf Jahren bei über 90%.
„Die Gruppe hat sich verändert mit den Jahren“, unterstreicht Hartmann Aichner. Am Anfang ging es vor allem um die Krankheit, um die Therapie, um Medikamente. „Männer denken dabei eher in technisch-mechanischen Kategorien; es ist nicht leicht für sie, darüber hinaus zu gehen. Aber heute reden wir über ganz andere Dinge als am Anfang. Und wir reden offener. Haben eine neue Dimension, auch in Hinsicht auf sexuelle Themen gefunden.“ Er selbst hatte nach seiner Erkrankung das starke Bedürfnis sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen, vielleicht auch, weil er von Berufs wegen über Jahrzehnte erlebt hat, wie Frauen mit solchen Situationen umgehen. Und er musste verwundert feststellen, dass es in Südtirol keine Selbsthilfe- bzw. Gesprächsgruppen für dieses Problem gab. Nur betroffenes Schweigen und einsames Leiden.
Prostata-Krebs ist für jeden Mann eine harte Probe. Nicht nur wegen der Krankheit Krebs an sich, den Ängsten, die damit verbunden sind, sondern auch wegen der Auswirkungen der Therapien bzw. der Operation. Ein Alptraum: Inkontinenz und sexuelle Dysfunktion. Eine Frau ist es gewohnt, Binden oder Einlagen zu tragen, sie kennt - wenn sie geboren hat - das Problem, dass es beim Sport, beim Schwer-Heben „tröpfeln“ kann. Ein Mann kann damit nicht umgehen und es noch weniger akzeptieren. „Heute sprechen wir offen darüber, teilen unsere Erfolge und Misserfolge. Wer Windeln trägt, eine Vorlage, wer Beckenboden-Gymnastik macht oder sich, wie ich, einer Schlingen-Operation unterzieht.“ Noch schwerer fällt es, über den Bereich Sexualität zu sprechen. Themen wie Impotenz, Versagungsangst usw. sind im Allgemeinen ein Tabu oder werden aus Scham ins Lächerliche gezogen.
Ängste in Bezug auf die Partnerschaft, in Bezug auf eine Sexualität, die neu entdeckt und angenommen werden muss. „Wir können heute offen reden über Erotik, über Hilfsmittel, darüber, dass Sexualität mehr ist, als nur eine rein mechanische Funktion.“ Und das Ergebnis ist positiv! „In den meisten Fällen berichten die Mitglieder der Gruppe, dass ihre Partner-Beziehung intensiver geworden ist, klarer, offener.“ Dass sie auch mit ihrer Partnerin frei(er) sprechen können. Und das Erstaunliche ist: „Wir spüren uns selbst mehr und anders als vor der Diagnose.“ Aber dies anzunehmen, sich dafür zu öffnen, so Dr. Hartmann Aichner, ist ein langer und schwieriger Weg. „Den man gemeinsam leichter findet und gehen kann.“„Wir mussten in der Gruppe eine ganz neue Sprache finden, neue Lebens- und Zusammenlebens-Strategien! Am Anfang wurde vor allem verlegen gewitzelt, jetzt können wir ernst darüber reden und wenn wir Witze reißen, dann ist es nicht aus Verlegenheit, sondern weil wir uns in unserer Männergruppe wohl fühlen.“ An die Stelle der stummen und leidenden Verlegenheit ist ein neues Bewusstsein, ein anderes (Selbst)Bewusstsein getreten. Aber es geht nicht nur um eine neue und erweiterte Art Erotik zu (er)leben, es geht um mehr. Männer, so Aichner, blicken anders aufs Leben als Frauen. „Wir mussten lernen, uns zurückzunehmen, uns nicht in der Arbeit zu verlieren, uns nicht mehr nur über unsere Leistung, unsere Arbeit, unser Auto zu definieren, sondern über unsere menschlichen Fähigkeiten, mussten lernen loszulassen und Abstand zu nehmen.“ Die Erfahrung der Krankheit und der eigenen Unzulänglichkeiten ist in diesem Sinn eine Chance zu einem neuen Ansatz im Leben, zu einem (anders) erfüllten Leben!
„Die Gruppe hat sich verändert mit den Jahren“, unterstreicht Hartmann Aichner. Am Anfang ging es vor allem um die Krankheit, um die Therapie, um Medikamente. „Männer denken dabei eher in technisch-mechanischen Kategorien; es ist nicht leicht für sie, darüber hinaus zu gehen. Aber heute reden wir über ganz andere Dinge als am Anfang. Und wir reden offener. Haben eine neue Dimension, auch in Hinsicht auf sexuelle Themen gefunden.“ Er selbst hatte nach seiner Erkrankung das starke Bedürfnis sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen, vielleicht auch, weil er von Berufs wegen über Jahrzehnte erlebt hat, wie Frauen mit solchen Situationen umgehen. Und er musste verwundert feststellen, dass es in Südtirol keine Selbsthilfe- bzw. Gesprächsgruppen für dieses Problem gab. Nur betroffenes Schweigen und einsames Leiden.
Prostata-Krebs ist für jeden Mann eine harte Probe. Nicht nur wegen der Krankheit Krebs an sich, den Ängsten, die damit verbunden sind, sondern auch wegen der Auswirkungen der Therapien bzw. der Operation. Ein Alptraum: Inkontinenz und sexuelle Dysfunktion. Eine Frau ist es gewohnt, Binden oder Einlagen zu tragen, sie kennt - wenn sie geboren hat - das Problem, dass es beim Sport, beim Schwer-Heben „tröpfeln“ kann. Ein Mann kann damit nicht umgehen und es noch weniger akzeptieren. „Heute sprechen wir offen darüber, teilen unsere Erfolge und Misserfolge. Wer Windeln trägt, eine Vorlage, wer Beckenboden-Gymnastik macht oder sich, wie ich, einer Schlingen-Operation unterzieht.“ Noch schwerer fällt es, über den Bereich Sexualität zu sprechen. Themen wie Impotenz, Versagungsangst usw. sind im Allgemeinen ein Tabu oder werden aus Scham ins Lächerliche gezogen.
Ängste in Bezug auf die Partnerschaft, in Bezug auf eine Sexualität, die neu entdeckt und angenommen werden muss. „Wir können heute offen reden über Erotik, über Hilfsmittel, darüber, dass Sexualität mehr ist, als nur eine rein mechanische Funktion.“ Und das Ergebnis ist positiv! „In den meisten Fällen berichten die Mitglieder der Gruppe, dass ihre Partner-Beziehung intensiver geworden ist, klarer, offener.“ Dass sie auch mit ihrer Partnerin frei(er) sprechen können. Und das Erstaunliche ist: „Wir spüren uns selbst mehr und anders als vor der Diagnose.“ Aber dies anzunehmen, sich dafür zu öffnen, so Dr. Hartmann Aichner, ist ein langer und schwieriger Weg. „Den man gemeinsam leichter findet und gehen kann.“„Wir mussten in der Gruppe eine ganz neue Sprache finden, neue Lebens- und Zusammenlebens-Strategien! Am Anfang wurde vor allem verlegen gewitzelt, jetzt können wir ernst darüber reden und wenn wir Witze reißen, dann ist es nicht aus Verlegenheit, sondern weil wir uns in unserer Männergruppe wohl fühlen.“ An die Stelle der stummen und leidenden Verlegenheit ist ein neues Bewusstsein, ein anderes (Selbst)Bewusstsein getreten. Aber es geht nicht nur um eine neue und erweiterte Art Erotik zu (er)leben, es geht um mehr. Männer, so Aichner, blicken anders aufs Leben als Frauen. „Wir mussten lernen, uns zurückzunehmen, uns nicht in der Arbeit zu verlieren, uns nicht mehr nur über unsere Leistung, unsere Arbeit, unser Auto zu definieren, sondern über unsere menschlichen Fähigkeiten, mussten lernen loszulassen und Abstand zu nehmen.“ Die Erfahrung der Krankheit und der eigenen Unzulänglichkeiten ist in diesem Sinn eine Chance zu einem neuen Ansatz im Leben, zu einem (anders) erfüllten Leben!

Dr. Hartmann Aichner


