Thema
Das Gewohnheitstier
Benno Simma und sein Leben mit dem Myelom

Foto: Othmar Seehauser
Rückenschmerzen ohne Ende. Ein geklemmter Nerv, Ischias, Arthrose? Viele Arztbesuche und Untersuchungen, eine Sonographie, Infiltrationen, keine Hilfe, schlaflose Nächte. Bis ein Rheumaspezialist sich die Frage stellte, ob nicht ein Myelom hinter den Schmerzen stecken könnte. Das war im Dezember 2020, der Architekt, Designer und Musiker Benno Simma war 71 Jahre alt.
Die Blutuntersuchungen wurden schon direkt auf der Abteilung für Hämatologie vorgenommen und bestätigten den Verdacht. Benno Simma hatte ein klassisches Myelom, einen Rückenmarkstumor, der zu einem unkontrollierten Wachstum von funktionslosen Proteinzellen führen. Die gesunden Blutzellen werden verdrängt und die entarteten Zellen zerstören Knochensubstanz und können die Nieren schädigen. Es kommt zu Löchern in den Knochen, zu Brüchen und Schmerzen. Die gute Nachricht, sagte der behandelnde Arzt schon beim ersten Gespräch zu Benno Simma: „Das Myelom bildet keine Metastasen. Aber es kann immer wieder auftreten.“
Die Schmerzen von Benno Simma rührten tatsächlich von vier eingedrückten Wirbeln im Lendenbereich her. Da er für sein Alter in guter physischer Verfassung war, entschied das Tumorboard, ihn einer autologen Stammzellen-Transplantation zu unterziehen. Die Einzelheiten der aufwändigen Therapie, Chemo, Induktionstherapie für den Aufbau von Stammzellen, Blutwäsche usw. hat Simma fast vergessen. Im Nachhinein ist alles nicht mehr so schlimm. Im sterilen Zimmer im Krankenhaus musste er nur wenige Tage bleiben, er verbrachte die „sterilen“ Wochen unter Kontrolle der Abteilung zuhause. „Vor Infektionen“, erinnert er sich, „musste ich mich nicht fürchten, es war Lockdown und soziale Kontakte waren ohnehin ausgesetzt!“
An was er sich sehr wohl erinnert, und was er auch bei allen Kontrollvisiten immer wieder erlebt, ist die Kompetenz und Freundlichkeit der ÄrztInnen und des Pflegepersonals der Abteilung Hämatologie in Bozen. „Immer wieder aufbauend!“ Und dankbar ist er vor allem auch seiner Frau Sandra, die während seiner Erkrankung zur perfekten Krankenpflegerin wurde. „Ohne sie, hätte ich das alles nie gepackt.“
Nach der Behandlung war er geschwächt, sein Rücken aufgrund der eingedrückten Wirbel gekrümmt und er musste zunächst mit Stöcken mühselig beginnen, wieder zu laufen.
Heute hat der inzwischen 77-jährige sein Leben um die Erkrankung bzw. deren Folgen herum organisiert. Alle vier Monate muss er sich in der Hämatologie zu Kontrollen vorstellen. „Und das, so Benno Simma, „ist dann tatsächlich der Augenblick, wo die Angst kommt, Angst, dass der Tumor zurückgekehrt ist.“ Danach ist sie wieder weg.
Er ist heute müder als vorher, braucht einen regelmäßigen Tagesrhythmus. „Ich bin ein absolutes Gewohnheitstier.“ Er fühlt sich getragen von einem immer gleichen Tagesablauf. Aufstehen und Frühstück ab 8 Uhr morgens. Um 9.30 Uhr verlässt er das Haus und geht einen Kaffee trinken. „In der Bar treffe ich immer dieselben Leute. Viele alte Menschen wie ich und wenn ich sie reden höre über ihre Wehwehchen, dann profitiere ich davon, weil ich denke, so schlimm geht´s mir ja gar nicht!“, sagt er und strahlt. Ab 10 Uhr ist er in seinem Atelier in der Cesare Battisti Straße in Bozen. Ein ehemaliges Geschäft. Im Schaufenster seine neuesten Kreationen, farbenfrohe Bilder, oft zu konkreten Themen erstellt. Die Tür ist immer offen und Benno Simma freut sich über die vielen Besucher, die täglich bei ihm hereinschauen. Um 12.30 Uhr geht er nach Hause Mittagessen, um 15 Uhr, nach einem zweiten Kaffee in der Bar, ist er dann wieder im Atelier anzutreffen. Gegen 17 Uhr geht er nachhause und legt sich ins Bett. Radiohören. „Ö1, da kommt mir die Welt direkt ins Haus: Jazz, neue Musik, Kommentare zu Kunst und Weltereignissen.“ Seine Energie ist nicht mehr dieselbe wie vor der Erkrankung. „Am Nachmittag bin ich müde. Aber ich bin ja auch sechs Jahre älter inzwischen.“ Er lacht wieder. „Gegen 19 Uhr bin ich wieder flott und stehe auf.“ Um 21 Uhr findet sein Tag ein Ende. Ausgehen möchte er am Abend nicht mehr. „Aber Smalltalk", sagt er, „war sowieso nie mein Ding." Er liebt es hingegen, wenn seine Frau ihm von Theater, Konzerten, Vorträgen oder Ausstellungen kleine Videos oder Fotos schickt. „Das ist, als wäre ich dabei.“
Was das kreative Multitalent heute nicht mehr machen kann, ist Klavierspielen. Die Zeit der Konzerte, wo er seine kritisch-witzigen selbstkomponierten Chansons mit warmer Stimme und Klavierspiel vortrug, ist vorbei. Aber Benno Simma findet in seinen Bildern, seinen gezeichneten Tagebüchern und seiner intensiven Social-Media-Tätigkeit ausreichend Raum, um seine Kreativität täglich auszuleben. Und er sieht jedem neuen Tag mit kindlicher Freude entgegen.
Die Schmerzen von Benno Simma rührten tatsächlich von vier eingedrückten Wirbeln im Lendenbereich her. Da er für sein Alter in guter physischer Verfassung war, entschied das Tumorboard, ihn einer autologen Stammzellen-Transplantation zu unterziehen. Die Einzelheiten der aufwändigen Therapie, Chemo, Induktionstherapie für den Aufbau von Stammzellen, Blutwäsche usw. hat Simma fast vergessen. Im Nachhinein ist alles nicht mehr so schlimm. Im sterilen Zimmer im Krankenhaus musste er nur wenige Tage bleiben, er verbrachte die „sterilen“ Wochen unter Kontrolle der Abteilung zuhause. „Vor Infektionen“, erinnert er sich, „musste ich mich nicht fürchten, es war Lockdown und soziale Kontakte waren ohnehin ausgesetzt!“
An was er sich sehr wohl erinnert, und was er auch bei allen Kontrollvisiten immer wieder erlebt, ist die Kompetenz und Freundlichkeit der ÄrztInnen und des Pflegepersonals der Abteilung Hämatologie in Bozen. „Immer wieder aufbauend!“ Und dankbar ist er vor allem auch seiner Frau Sandra, die während seiner Erkrankung zur perfekten Krankenpflegerin wurde. „Ohne sie, hätte ich das alles nie gepackt.“
Nach der Behandlung war er geschwächt, sein Rücken aufgrund der eingedrückten Wirbel gekrümmt und er musste zunächst mit Stöcken mühselig beginnen, wieder zu laufen.
Heute hat der inzwischen 77-jährige sein Leben um die Erkrankung bzw. deren Folgen herum organisiert. Alle vier Monate muss er sich in der Hämatologie zu Kontrollen vorstellen. „Und das, so Benno Simma, „ist dann tatsächlich der Augenblick, wo die Angst kommt, Angst, dass der Tumor zurückgekehrt ist.“ Danach ist sie wieder weg.
Er ist heute müder als vorher, braucht einen regelmäßigen Tagesrhythmus. „Ich bin ein absolutes Gewohnheitstier.“ Er fühlt sich getragen von einem immer gleichen Tagesablauf. Aufstehen und Frühstück ab 8 Uhr morgens. Um 9.30 Uhr verlässt er das Haus und geht einen Kaffee trinken. „In der Bar treffe ich immer dieselben Leute. Viele alte Menschen wie ich und wenn ich sie reden höre über ihre Wehwehchen, dann profitiere ich davon, weil ich denke, so schlimm geht´s mir ja gar nicht!“, sagt er und strahlt. Ab 10 Uhr ist er in seinem Atelier in der Cesare Battisti Straße in Bozen. Ein ehemaliges Geschäft. Im Schaufenster seine neuesten Kreationen, farbenfrohe Bilder, oft zu konkreten Themen erstellt. Die Tür ist immer offen und Benno Simma freut sich über die vielen Besucher, die täglich bei ihm hereinschauen. Um 12.30 Uhr geht er nach Hause Mittagessen, um 15 Uhr, nach einem zweiten Kaffee in der Bar, ist er dann wieder im Atelier anzutreffen. Gegen 17 Uhr geht er nachhause und legt sich ins Bett. Radiohören. „Ö1, da kommt mir die Welt direkt ins Haus: Jazz, neue Musik, Kommentare zu Kunst und Weltereignissen.“ Seine Energie ist nicht mehr dieselbe wie vor der Erkrankung. „Am Nachmittag bin ich müde. Aber ich bin ja auch sechs Jahre älter inzwischen.“ Er lacht wieder. „Gegen 19 Uhr bin ich wieder flott und stehe auf.“ Um 21 Uhr findet sein Tag ein Ende. Ausgehen möchte er am Abend nicht mehr. „Aber Smalltalk", sagt er, „war sowieso nie mein Ding." Er liebt es hingegen, wenn seine Frau ihm von Theater, Konzerten, Vorträgen oder Ausstellungen kleine Videos oder Fotos schickt. „Das ist, als wäre ich dabei.“
Was das kreative Multitalent heute nicht mehr machen kann, ist Klavierspielen. Die Zeit der Konzerte, wo er seine kritisch-witzigen selbstkomponierten Chansons mit warmer Stimme und Klavierspiel vortrug, ist vorbei. Aber Benno Simma findet in seinen Bildern, seinen gezeichneten Tagebüchern und seiner intensiven Social-Media-Tätigkeit ausreichend Raum, um seine Kreativität täglich auszuleben. Und er sieht jedem neuen Tag mit kindlicher Freude entgegen.

KrankenpflegerInnen und technisches Personal der Abteilung für Hämatologie Bozen

